Selbstverwirklichung

Foto: „Wolkenlücke“ in der Magellanstraße

Was wir Selbstverwirklichung nennen, ist nicht das Erlangen von etwas Neuem oder das Erreichen eines fernen Ziels; es heißt einfach, das zu sein, was man immer ist und schon immer war.
Ramana Maharshi           

Was fällt Dir zu Selbstverwirklichung ein?

Zum Stillsein braucht es Intensität und Meditation

Lethargie und Stillsein passen nicht zusammen:

Zum Stillsein braucht es Intensität und Meditation,

dann ist es kein Umherschweifen,

sondern etwas sehr Aktives und Kraftvolles.

Meditation ist kein Verfolgen von Gedanken oder Ideen,

sie ist das Wesen allen Denkens,

das sich jenseits von Gedanken und Gefühlen befindet.

Dann ist sie eine Bewegung ins Unbekannte.

Krishnamurti

Diese Zeilen sind aus  Das Notizbuch  von Jiddu Krishnamurti. Ein sehr berührendes Dokument von großer Intensität, eine Art Tagebuch, in dem er über sieben Monate seine Wahrnehmungen und Bewusstseinszustände festgehalten hat.

Was sind Deine Gedanken zu Meditation? Kannst Du Krishnamurtis Worten zustimmen?

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse
Er schrieb das Gedicht 1941 nach langer Krankheit.

Stufen: Ausgewählte Gedichte (insel taschenbuch)

In welchen Anfängen hast Du schon einen Zauber verspürt? Was klingt bei Dir an, wenn Du dieses Gedicht liest? Danke, wenn Du es hier teilen möchtest!

Dies Menschsein ist ein Gästehaus

Dies Menschsein ist ein Gästehaus.

An jedem Morgen eine neue Ankunft.

Eine Freude, eine Melancholie, eine Niedertracht,

ein kurzes Gewahrsein

kommen als unerwarteter Besuch.

Heiß sie willkommen und nimm alle auf!

 

Und seien sie auch eine Horde von Sorgen,

die mit Gewalt das Haus durchfegen

der Einrichtung berauben,

auch dann, geh redlich mit jedem Gast um.

Vielleicht räumt er dich frei

für eine Wonne.

 

 

Den dunklen Gedanken, die Scham, die Tücke,

begrüße sie an der Türe, lachend,

und bitte sie herein.

Sei dankbar für jeden, der kommt,

weil jeder geschickt ist

als ein Wegweiser von jenseits.

 

Rumi

 

Annehmen was ist. Auch wenn es im Moment ganz unannehmbar erscheint? Auch Melancholie und Niedertracht willkommen heissen. Eine wahrlich schwierige Übung. Rückblickend kann ich immer wieder feststellen, dass Vieles „als ein Wegweiser von jenseits“ geschickt wurde. Bei dem Schönem und Gutem fällt mir das so viel leichter, das Menschsein als Gästehaus zu betrachten.

Wie geht es Euch mit diesem Gedicht?