Alles Wissen übersteigend

Ich trat ein und wusst´nicht wo, und blieb doch ohne Wissen,
alles Wissen übersteigend. Wo ich eintrat wusst´ich nicht.

Doch als ich mich dort gewahrte, ohne Kenntnis meiner Bleibe,
hörte ich von großen Dingen. Was ich hörte sag ich nicht,
blieb ich doch ganz ohne Wissen, alles Wissen übersteigend.

Frieden war´s in tiefster Stille, wovon ich zutiefst erfuhr
ganz allein in meinem Herzen. Klar ward mir der rechte Weg.
Alles war so voll Geheimnis, dass ich nur noch stammeln konnte,
alles Wissen übersteigend.

Johannes vom Kreuz – spanischer Mystiker
aus: Der Sänger der Liebe

Kannst Du nachempfinden, wovon Johannes vom Kreuz spricht? Ist das überhaupt mit Worten auszudrücken oder bleibt hier nur das „stammeln“?

Foto: Axel Sutter – Schweizer Jura September 2017

Das EINE ist meine wahre Natur

Das EINE ist meine wahre Natur –

und die Natur aller Wesen.

Es ist zeitlos und entfaltet sich in der Zeit.

Es entsteht nicht bei meiner Geburt

und es vergeht nicht durch meinen Tod.

Dieses EINE ist der Urgrund aller Dinge.

Willigis Jäger

 

Foto: Erstes Sonnenlicht im Creux du Van – September 2017

 gefunden in diesem Büchlein.

Diesen Satz kann ich vielleicht intellektuell verstehen. Das mag sein. Ist die Herausforderung nicht, es in der Tiefe zu erfahren?

Die Wahrheit des eigenen Selbst

Die Wahrheit des eigenen Selbst
als alleinige Realität zu erkennen,
mit ihr zu verschmelzen und eins zu werden
-das ist die einzig wahre Realisation.
Ramana Maharshi

Ramana Maharshi, einer der bedeutendsten Weisen des 20. Jahrhunderts hat die Selbsterforschung als Weg in die Freiheit, zum Aufwachen gelehrt: Wer bin Ich? Finde heraus, von wo der Ich-Gedanke entspringt. Ich freue mich sehr, wenn Du Dich hier mit Deinen Gedanken und Gefühlen dazu zu Wort meldest

 Dieses kleine Büchlein mit der Essenz der spirituellen Weisheit Ramana Maharshis kann ein wunderbarer Wegweiser sein.

Komm, komm, wo immer du gerade bist

Komm, komm, wo immer du gerade bist!
Wanderer, Andächtiger, Liebhaber des Abschieds. Es spielt keine Rolle. Unsere Karawane ist kein Ort der Verzweiflung. Komm, komm, selbst wenn du deine Gelübde schon tausendmal gebrochen hast.
Komm, komm trotzdem wieder.
Komm!

Rumi

Ist sie nicht wundervoll und tröstend, diese Inschrift auf dem Grab von Rumi?

Auferstehung ist nicht etwas Zukünftiges

Auferstehung ist nicht etwas Zukünftiges.
Auferstehung findet in jedem Augenblick statt.
Wir zelebrieren das zeitlose Leben,
das sich in diesem Augenblick
als diese unsere Form selbst feiert.
Es gibt kein Diesseits und kein Jenseits.
Es gibt nur das Hier und Jetzt.

Willigis Jäger

Foto: Axel Sutter – Spiegelung

Selten habe ich es prägnater gelesen und erspürt, was das Hier und Jetzt im Grunde nach wirklich ist: Ein Tor zur Wirklichkeit. Und dafür braucht es keine Zeit, denn es ist immer Hier und Jetzt. Hat das nicht etwas unbeschreiblich befreiendes?

Ich freue mich auf Deine Gedanken.

 

Das Zitat habe ich in diesem wunderschön verarbeiteten Buch von Willigis gefunden: Jenseits von Gott  Es enthält auch zwei Meditationen: „Einswerden mit dem Laut“ und „Hinführung zur Stille“

Singe…, Lache…,

Singe,
Denn dies ist die Nahrung
Die unsere hungernde Welt
Braucht

Lache,
Denn das ist
Der reinste Klang

Hafiz

 

Was klingt bei Dir an beim lesen dieser Worte von Hafiz? Zaubert es ein Lächeln auf Deine Lippen?

Diese Worte begegneten mir auf dem Kurs Mystischer Sufigesang am Benediktushof.

Ich freue mich auf Deine Inspirationen hier im Austausch!

Foto: Axel Sutter – Es entstand auf dem Ausbildungswochenende für Chanten – Heilendes Singen, geleitet von dem Arzt und Musiker Wolfgang Friederich.

Instrument Deines Friedens

Herr, du hast mich als ein Instrument deines Friedens geschaffen,
dass ich mich liebe, wo ich mich gehasst habe,
dass ich verzeihe, wo man mich beleidigt;
dass ich fair streite, weil das verbindet;
dass ich nach Wahrheit suche;
dass mein Glauben und Vertrauen dem Zweifel Raum lassen;
dass ich der Verzweiflung standhalte, weil ich hoffen darf;
dass ich die Finsternis im Vertrauen auf das Licht durchschreite;
dass ich Kummer aushalte, weil Mitleiden zur Freude führen kann.

Herr, lass mich trachten,
dass wir Trost finden, weil ich darauf vertraue, ihn finden zu können;
dass ich verstehe, weil ich verstanden bin;
dass ich liebe, weil ich geliebt bin.
Herr, lass mich immer mehr zu einem stimmigen Instrument werden.

nach Franz von Assisi,
veränderte Fassung nach dem Braunschweiger Theologen Martin Quandt

Foto: Axel Sutter – Bretagne, Pointe du Grouin 2017

Die Originalfassung dieses Gebets begeleitet mich schon seit vielen Jahrzehnten. Diese leicht veränderte Fassung kommt mir jetzt sehr stimmig vor. Gefunden habe ich es in einem sehr schön bebilderten Band über Chartres mit sehr tiefgehenden Texten:

Chartres – Lauschen mit der Seele: Eine spirituelle Entdeckungsreise

Wie geht es Dir mit diesem Text?

 

Wanderung, Wandlung

Stimme des anderen Tages

Wanderung, Wandlung, dieses
Eine ist gewiß:
Die Gärten des Paradieses,
die Täler der Finsternis
sind nicht so weit entfernte
Länder wie wir geglaubt,
und nicht jeder Ernte
stehen wir beraubt.

Tief in der Unrast Zonen,
eh wir die Furche ziehen,
ehe wir bauen und wohnen,
gehen wir so dahin
fast wie ungeboren
fast wie ohne Schuld,
keinem Ding verschworen,
wartend in Geduld …
Und lauschen der Stimme des andern
Tages, der in uns beginnt
und hören nicht auf zu wandern,
bis wir verwandelt sind.

Marie-Luise Kaschnitz 

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auf der Wanderung zur Kathedrale von Chartres zeigen sich erstmalig die beiden Türme

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Wanderung, Wandlung

Fotos: Dr. Axel Sutter – Chartres 2017

Auch hier taucht wieder die Geduld auf, wie schon bei Rainer Maria Rilke. Das Bild oben ist am Westportal der Kathedrale von Chartres zu finden und zeigt für mich ein „Inneres Lauschen“.

Übrigens: die nächste Chartres-Reise findet statt vom 21.7.2019 – 27.7.2019

Was für Gedanken, Inspirationen hast Du bei diesem Text? Ich freue mich, wenn du Dich hier am Austausch beteiligst!

Ein aus meiner Sicht sehr berührendes Buch über die Kathedrale von Chartres kann ich Dir sehr ans Herz legen:
Chartres – Lauschen mit der Seele: Eine spirituelle Entdeckungsreise