Das Märchen vom Goldfisch und der Libelle

Dimensionswechsel

Metamorphose

Als 5 Minuten Hörbuch ganz unten

Es war einmal eine schwarze Libellenlarve. Die lebte im Teich und räuberte sich durch ihre Tage. 

Und so fraß sie eben auch die Eier der Goldfische.

Eines Tages begegnete sie dem großen alten Goldfisch.

„Warum frisst du die Zukunft meiner Familie?“ wollte er von ihr wissen.

Das ist unser Programm, Das müssen wir so tun. 

Und ihr glaubt, ihr habt keine Wahl? 

Das ist unsere Bestimmung. Wir müssen das tun.

Und dann schaute der Goldfisch ihr tief in die Augen und sprach: 

„Du hast immer eine Wahl. Hast du schon einmal nach oben geschaut, über die große Grenze hinweg? Wenn du genau hinsiehst, siehst du dort auf der Tanne sogar den Reiher.

Er lebt in einer anderen Dimension. Doch ab und zu badet er seine Füße in unserem Teich. Und ich habe schon gesehen, wie er einen von uns in seinem langen Schnabel in die andere Welt mitgenommen hat.“

„So ein Quatsch. Es gibt nur dieses unseres Zuhause. Komm mir nicht mit anderen Dimensionen oder so.“

Und dann, Tage später. Das Gespräch mit dem Goldfisch war schon fast vergessen, geschah etwas Merkwürdiges mit ihr. 

Es wuchsen ihr dünne lange Beine 

Und dann war er da, der Moment 

Mit den Beinen krabbelte sie den Halm nach oben. 

Und der Schleier hob sich. Jetzt konnte sie tatsächlich durch die Wassergrenze sehen. Sie sah sogar den Reiher, von dem der alte Goldfisch sprach. Und grüne Pflanzen am Rand des Teichs.

Hatte er doch recht, der große alte Goldfisch?

Und dann war es tatsächlich soweit. Sie  durchstieß die Grenze ihrer bisherigen Dimension.

Durch die Wasseroberfläche krabbelte sie weiter nach oben, und …

atmete Luft. So etwas hatte sie nie für möglich gehalten. 

Bisher hatte sie ja nur im Wasser gelebt. So wie der Goldfisch.

Und jetzt sah sie unter der Wasseroberfläche den Goldfisch lächeln und es schien ihr fast, als würde er ihr wehmütig zublubbern.

Und jetzt ging sie weiter, die Verwandlung. Sie warf ihre schwarze Hülle ab, ließ sie am Halm zurück. Und wurde zu etwas Wunderschönem, ja teilweise sogar Transparentem.

Es waren ihr vier Flügel gewachsen. Diese pumpte sie auf und sie entfalteten sich.

Sie nahm sich Zeit und trocknete ihre wunderbaren, zarten Flügel in der Sonne. 

Federleicht breitete sie nun ihre Flügel aus und als ein Windhauch sie berührte, getraute sie sich erstmals zu fliegen.

Sie machte sich mutig auf, die neue Dimension zu erkunden und flog über ihr altes Zuhause, den Gartenteich.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

15. August 2024 – angeregt durch eine wahre Begebenheit im Südschwarzwald am 8. Mai 2016

Viel Freude mit dem „Märchen“

Axel Sutter

https://www.axel-sutter.de

Und hier das Hörbuch zum Märchen – gesprochen vom Autor

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